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Der Cannabis-Markt unter der Lupe

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Ein interdisziplinäres Team von Forschenden von Sucht Schweiz, dem Institut für Kriminologie der Universität Lausanne und Unisanté hat den Betäubungsmittelmarkt im Kanton Waadt untersucht. Nach Heroin und Stimulanzien lag das Interesse dieses Mal bei Cannabis. Der Cannabis-Markt ist von allen Betäubungsmitteln der grösste, doch bleibt der Umsatz hinter demjenigen beim Kokain zurück. Der konsumierte Cannabis stammt aus unterschiedlichen Quellen und weist einen grossen Import-Anteil aus, wobei der einheimische Kleinanbau eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Auf dem Markt finden sich neu auch Mischungen von illegalem und legalem (CBD) Cannabis. Mehr als die Hälfte des konsumierten Cannabis geht auf stark Konsumierende zurück, die weniger als 10 Prozent der Benutzerinnen und Benutzer ausmachen.

Cannabis-Markt: am grössten, aber nicht am umsatzstärksten

Der Cannabis-Markt setzt ein Volumen um, das vier bis sieben Mal grösser ist als bei allen anderen Betäubungsmitteln zusammen. Für den Kanton Waadt wird geschätzt, dass jährlich 3,5 bis 5,1 Tonnen Cannabis konsumiert werden, was mehr als 50 000 Joints pro Tag entspricht. Hinzu kommen die Beschlagnahmungen der Waadtländer Polizei, die mit rund 183 Kilogramm 3,5 bis 5,0 Prozent darstellen. Wird das Gesamtvolumen von 3,7 bis 5,3 Tonnen auf die ganze Schweiz hochgerechnet, ergibt sich ein Marktvolumen von etwa 40 bis 60 Tonnen Cannabis, also weniger als die bisweilen genannten 100 Tonnen.

Foto ©Sucht Schweiz
pixabay


Der Jahresumsatz des Cannabis-Marktes dürfte im Kanton Waadt etwa 31,7 bis 46,3 Millionen Franken erreichen und Erträge von 20 bis 30 Millionen Franken generieren. Damit liegen diese Zahlen zwar tiefer als bei Kokain, aber deutlich höher als bei Heroin, Ecstasy und Amphetaminen. Werden diese Zahlen für den Kanton Waadt auf die Schweiz hochgerechnet, ergeben sich Umsatzwerte von 340 bis 500 Millionen Franken sowie Erträge von etwa 220 bis 325 Millionen Franken.

Einheimischer Anbau und Importe: Das Pendel schlägt zurück

Bis Mitte der 1990er Jahre lag Cannabis hauptsächlich in Form von importiertem Harz (Haschisch) vor, das später von lokal angebautem Gras (Marihuana) mit teils hohem THC-Gehalt abgelöst wurde. Heute schlägt das Pendel gewissermassen zurück. Aufgrund der Datenlage ist anzunehmen, dass die Importe (Harz und Gras) heute volumenmässig der lokalen Produktion von Gras entsprechen und dass dem Harz wieder eine nicht zu unterschätzende Marktstellung zukommt (Grössenordnung 30 % Marktanteil). Dies insbesondere darum, weil es von den stark Konsumierenden genutzt wird und der THC-Gehalt angestiegen ist (durchschnittlich 28 % in beschlagnahmten Stichproben). Der lokale Kleinanbau von Gras (Eigenanbau) dürfte etwa ein Zehntel des Gesamtmarkts ausmachen.

Neu: Mischung von illegalem und legalem Cannabis

Die Analyse von Beschlagnahmungen kleiner Mengen zeigt, dass sich auf dem Markt heute auch Mischungen von illegalem Cannabis mit viel THC und legalem CBD-Cannabis mit weniger als 1 Prozent THC finden. Ein Grund dafür sind bestimmt die sinkenden Preise auf dem legalen Cannabis-Markt.

Die Akteure: kleine Eigenproduzenten bis hin zu kriminellen Organisationen

Eine Besonderheit des Cannabis-Marktes ist die grosse Vielfalt der Akteure. Diese gehen vom Konsumenten, der ein paar Pflanzen für den Eigengebrauch anbaut, bis zu kriminellen national oder international tätigen Organisationen, die Cannabis zentnerweise produzieren oder importieren und ihre Vorräte auch mit Waffengewalt verteidigen. Dazwischen finden sich Kleinimporteure unterschiedlicher Art und Herkunft sowie auch Hanfbauern und Hobbygärtner. Den Marktanteil dieser unterschiedlichen Kategorien einzuschätzen, ist jedoch mit dem heutigen Wissensstand nicht möglich.

Der Kauf von Cannabis erfolgt oft im privaten Kreis oder bei Bekannten, die ebenfalls konsumieren und die allmählich in den Handel eingestiegen sind, weil sie direkten Zugang zu einer Nachschubquelle hatten. Wahrscheinlich spielt der Strassenverkauf eine eher untergeordnete, der Verkauf in öffentlichen Lokalen (Bars, Cafés) dafür aber eine grössere Rolle.

Marktmotoren: die stark Konsumierenden

Es wird geschätzt, dass weniger als 9 Prozent der Konsumierenden Cannabis intensiv gebrauchen (an mind. 20 Tagen pro Monat). Diese kleine Gruppe steht für die Hälfte des gesamten Cannabis-Konsums im Kanton Waadt. Dafür werden monatlich mehrere Hundert Franken pro Kopf ausgegeben. Offenbar spielt eine weitere Gruppe eine wichtige Rolle: (Ehemalige) Opioid-Konsumierende, die neben vielen anderen Substanzen auch Cannabis konsumieren. Obschon sie nur 1 bis 2 Prozent der Konsumierenden ausmachen, dürften sie etwa 10 Prozent des Gesamtvolumens für sich beanspruchen.

Zum ersten Mal legen drei Forschungsinstitute in der Schweiz eine interdisziplinäre Studie zu einem lokalen Betäubungsmittelmarkt vor. Sie kombinieren innovative Methoden wie Abwasseranalysen und Analysen von Rückständen aus gebrauchten Spritzen mit Interviews von Polizeimitarbeitenden und Drogenkonsumierenden. Die Studie wird vom Waadtländer Fonds für Suchtprävention und -bekämpfung («Fonds vaudois pour la prévention et la lutte contre les addictions») mitfinanziert und von einer Expertengruppe mit Vertretern aus Justiz, Polizei und Gesundheitswesen begleitet.

Der Forschungsbericht mit Zusammenfassung auf Deutsch:
Le marché des stupéfiants dans le canton de Vaud. Partie 3

Auskunft:

Frank Zobel
Vizedirektor, Sucht Schweiz
fzobel@suchtschweiz.ch
(Deutsch, Französisch) 021 321 29 60 / 079 859 67 21
Medien: 021 321 29 85 

Pierre Esseiva
Professor ESC/UNIL
pierre.esseiva@unil.ch
(Français) 076 223 05 66 

Sanda Samitca
Forschungsleiterin,
Unisanté
sanda.samitca@unisante.ch
(Français) 021 314 20 36 / 079 873 95 60




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