Wo Eltern Antworten erhalten Wie können Eltern die Geschwister suchtkranker Jugendlicher unterstützen?

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Wo Eltern Antworten erhalten

Wie können Eltern die Geschwister
suchtkranker Jugendlicher unterstützen?

Liebe Eltern,
es gibt Situationen, die für Familien eine schwere Belastung sind. Etwa wenn ein Kind körperlich oder psychisch erkrankt oder wenn ein Kind ein Suchtmittelproblem hat. Es ist klar, dass man alles tut, um diesem Kind zu helfen. Was allerdings oft unterschätzt wird: Auch die Geschwister erleben teils schwere Belastungen. Sie leiden aber oft im Abseits.

«Mein Bruder raucht Tabak und Joints, und trinkt auch… Er ist nur 16! Wie ihn zur Vernunft bringen? Ich habe Angst ihn zu verlieren :’(»

Die Eltern sind also doppelt gefordert. Dieser Eltern-Newsletter zeigt Möglichkeiten auf, wie Eltern mitbetroffene Geschwister begleiten können. Er basiert auf dem neuen Elternleitfaden «Geschwister suchtkranker Jugendlicher unterstützen» von Sucht Schweiz.
Klarheit hilft!

Vor allem bei jüngeren Geschwistern versuchen Eltern oft, sie zu schützen, indem sie das Problem verstecken. Aber: Schweigen ist kein Schutz, im Gegenteil. Schon kleine Kinder spüren sehr genau, wenn etwas nicht stimmt. Wenn sie keine Erklärungen für die seltsamen Stimmungen erhalten, suchen sie welche. Oft geben sie sich dann die Schuld an dem, was geschieht. Und die Vorstellungen, die sie sich machen, sind oft schlimmer als die Realität. Wenn Kinder wissen, was vor sich geht, können sie sich auch auf schwierige Situationen einstellen.
Vor allem müssen die Geschwister verstehen, dass sie nicht für die Spannungen verantwortlich sind, die sie in der Familie spüren. Und es tut ihnen gut, wenn sie ihre Gefühle ausdrücken können. So erfahren sie auch: Diese Gefühle sind verständlich. Es IST traurig, wenn sich ein Geschwister verändert. Scheinbar widersprüchliche Gefühle sind normal: Angst mischt sich oft mit Traurigkeit und Wut.
Geschwister als GeheimnisträgerInnen

Es kommt oft vor, dass die Geschwister noch vor den Eltern erfahren, dass etwas nicht stimmt. Sie hören manchmal über ihren Freundeskreis, dass ihr Geschwister konsumiert. Oder ihr Geschwister weiht sie in das Geheimnis ein. So tun sich Loyalitätskonflikte auf, die sehr belastend sind. Egal, was mitbetroffene Geschwister tun, Konflikte scheinen vorprogrammiert. Zudem haben sie Angst um den Bruder oder die Schwester und sind gleichzeitig oft wütend, weil sie sich ausgenutzt oder unter Druck gesetzt fühlen.

«Eine meiner besten Freundinnen hat mir gesagt, dass sie gesehen hat, wie mein Bruder im Versteckten Drogen konsumiert hat. Sie hat mir gesagt, dass er eine Spritze in der Hand hatte… So wie ich meinen Bruder kenne, ist es möglich, dass er solche Sachen macht… Er raucht, seit er 13 ist. Er trinkt Alkohol, hat sogar Alkohol gestohlen. Kurz gesagt, jetzt ist er 16 und es würde mich nicht erstaunen, dass er Drogen konsumiert. Ich weiss nicht was tun…. Ich könnte es meinen Eltern erzählen, aber ich weiss ja nicht mal, ob er es wirklich getan hat. Und ich möchte gerne mit ihm sprechen, aber vielleicht wird er wütend und macht noch mehr dummes Zeug. Ich bin verloren, weiss nicht was tun und mache mir Sorgen um ihn. Es ist mein Bruder, er war immer da für mich und ich möchte für ihn da sein.»

Konsumierenden Kindern wie mitbetroffenen Geschwistern ist zu wünschen, dass Eltern so schnell wie möglich erfahren, was vor sich geht. Dann können die Eltern ihre Rolle bestmöglich wahrnehmen. Sie können Schritte einleiten, um das konsumierende Kind zu unterstützen, sie können die mitbetroffenen Geschwister begleiten und nicht zuletzt auch darauf achten, zu sich selbst Sorge zu tragen.

Raum bieten und für klare Verantwortlichkeiten sorgen

In einer Krise ist es nicht leicht, zusammenzufinden und ruhig miteinander zu sprechen. Aber es ist wichtig, dass alle Familienmitglieder sich ausdrücken können und Raum erhalten. Die Kommunikation spielt eine wichtige Rolle bei der Bewältigung einer Krise, sowohl für das konsumierende Kind wie für seine Eltern und Geschwister.

Eltern können mitbetroffene Geschwister einladen, offen zu sein, aber ohne sie zu drängen. Sie müssen nicht alles mit den Eltern teilen. Die Geschwister sollten auch nicht zu Spionen für die Eltern werden. Sie brauchen aber Gelegenheit, über ihre Gefühle zu sprechen. Sie brauchen die Versicherung, dass widersprüchliche Gefühle verständlich sind. Auch Raum zu haben für sich selbst, wirkt entlastend: Eltern können mitbetroffene Geschwister dabei unterstützen, Aktivitäten zu finden, die ihnen guttun.

Besonders wichtig ist, dass mitbetroffene Geschwister beruhigt Abstand nehmen können. Das können sie, wenn sie wissen: Nicht sie, sondern die Eltern sind verantwortlich, sie kümmern sich um die Situation. Eltern können ihre Kinder auch beruhigen, indem sie ihnen erklären: Sie sind nicht die einzigen, die eine solche Situation erleben! Auf der Website feel-ok.ch/geschwister gibt es Informationen für mitbetroffene Geschwister.

Freundlich sein mit sich selbst

Die Eltern sind stark gefordert in einer solchen Situation. Manchmal ist es für das Paar auch schwierig, eine gemeinsame Haltung zu finden und solidarisch zu bleiben. Der Stress ist gross, oft sind Konflikte unvermeidlich. Umso wichtiger ist es, sich zu erlauben, auch Sorge zu sich selbst zu tragen.

Die Eltern tragen die Verantwortung für die Familie. Aber sie müssen diese Verantwortung nicht alleine tragen! Unterstützung von aussen (von Freunden und Fachstellen, vgl. Hinweise unten) ist wichtig.

Mehr Informationen zur Situation von Familien mit einem suchtmittelkranken Kind und zu Handlungsmöglichkeiten finden Sie im Elternleitfaden «Geschwister suchtkranker Jugendlicher unterstützen».

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