Wo Eltern Antworten erhalten Der Ausnahmezustand dauert an…

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Wo Eltern Antworten erhalten

Liebe Eltern,

Nun dauert die Covid-Pandemie seit gut einem Jahr an. Die Massnahmen, mit denen wir leben, verändern sich nach und nach. Aber der Ausnahmezustand bleibt. Covid-19 beeinflusst unser Leben in einer Art, die wir vorher nie gekannt haben. Besonders unter dieser Situation leiden Kinder und Jugendliche. Das zeigen verschiedene Studien.

Vielen Jugendlichen geht es schlechter

Je länger die Ausnahmesituation anhält, desto mehr wird sie zur Last. Die kürzlich veröffentlichte «Swiss Corona Stress Study» belegt negative Auswirkungen der Pandemie in allen Altersgruppen. Ganz besonders betroffen sind junge Menschen: 29% der 14- bis 24-Jährigen berichten im November 2020 von schweren depressiven Symptomen. Im Februar 2020 lag dieser Wert bei ca. 7%.

Die Einschränkungen der sozialen Kontakte und der Bewegungsfreiheit erleben Jugendliche und junge Erwachsene in einer Zeit, in der sie Freiheiten besonders brauchen würden. Jugendliche bräuchten Raum, um unabhängig zu werden und Dinge auszuprobieren. Die Pandemie behindert die soziale Entwicklung, sie bringt Trauer um verpasste soziale Übergänge, Trauer um verstorbene Angehörige, Angst vor Ansteckung, unsichere schulische und berufliche Perspektiven etc.

Mediennutzung und Suchtmittelkonsum in der Pandemie

Die Studie «Covid-19 Social Monitor» zeigt: Ein Viertel der Kinder konsumierte nach Angaben ihrer Eltern während des Lockdowns mehr Unterhaltungsmedien. Dieser Wert ist nicht so hoch, wie man vielleicht erwarten würde. Dass Medien aktuell mehr gebraucht werden, ist in einem bestimmten Rahmen verständlich. Aber es bleibt eine Frage des Masses. Nicht immer gelingt die Balance. Verschiedene Fachstellen berichten von einer Zunahme von Kontakten mit Eltern, die besorgt sind wegen der Onlinezeit ihres Kindes. Das Gamen oder andere Mediennutzung dient manchen Kindern und Jugendlichen möglicherweise dazu, psychische Spannungen zu mildern. Das birgt Risiken.

Alkohol und andere Substanzen scheinen zu Beginn der Pandemie bei vielen Jugendlichen weniger präsent gewesen zu sein (Baier & Kamenowski, 2020). Alles in allem konsumierten Jugendliche weniger, bei manchen wurde wohl auch der Konsumeinstieg verzögert. Da für viele Jugendliche Suchtmittelkonsum ein soziales Phänomen ist, erstaunt das nicht. Auch die grössere Kontrolle durch Eltern dürfte einen Einfluss gehabt haben.

Aber: Was für die Mehrheit gilt, muss nicht für alle gelten. Was etwa den Konsum von Cannabis angeht, besteht die Sorge, dass Jugendliche, die vorher schon häufig konsumierten, den Konsum in der Pandemie intensiviert haben könnten. Und: Die Situation vieler Jugendlicher hat sich im Verlauf der Pandemie verschlechtert. Es gibt viele Jugendliche, denen es psychisch nicht gut geht. Zum Zeitpunkt der Herausgabe dieses Newsletters liegt noch keine Studie dazu vor, wie sich der Suchtmittelkonsum bei Jugendlichen seit Mitte 2020 entwickelt hat. Man muss aber damit rechnen, dass die psychischen Belastungen, die Jugendliche bedrücken, den Suchtmittelkonsum bereits aktuell oder bald beeinflussen. Einen Hinweis, der in diese Richtung zeigt, liefert eine Erhebung des Blauen Kreuzes im Kanton Bern, die sich über das gesamte Jahr 2020 erstreckte: Insbesondere der Konsum von Alkohol wie auch von Zigaretten war bei Jugendlichen (12- bis 17-Jährige) im Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2019 erhöht.

Wir wollen nicht den Teufel an die Wand malen. Wir hoffen alle darauf, dass «nach Covid» wieder alles sein wird wie vorher. Aber wir müssen davon ausgehen, dass die Auswirkungen der Pandemie auf die psychische Gesundheit unsere Gesellschaft noch lange beschäftigen werden. Es ist wichtig, zu reagieren, damit problematische Bewältigungsstrategien, wie etwa ein Suchtmittelkonsum, die Auswirkungen der Pandemie nicht noch verstärken.

Wie können Sie psychische Last erkennen und was können Sie tun?

Schulische Probleme, Traurigkeit, Gereiztheit, Rückzug, Verlust von Interessen, Motivationsprobleme, Schlafprobleme oder Unruhe und auch Suchtmittelkonsum oder übermässige Mediennutzung – dies alles sind Anzeichen dafür, dass es einem Kind oder Jugendlichen nicht gut geht.

Was tun?
  • Viele Jugendliche sagen, dass sie in der Zeit der Pandemie mehr Zuwendung von den Eltern erhalten haben und auch mehr mit ihnen gemeinsam unternommen haben. Ihre Zuwendung ist für Ihr Kind wichtig. Gespräche über die Sorgen, die Ihr Kind bedrücken, helfen ihm.
  • Sie können Ihrem Kind Möglichkeiten zeigen, sich zu entlasten (Tagebuch schreiben, Meditation, Malen, Kontakte pflegen etc.). Je nachdem kann es auch wichtig sein, ein Kind davor zu schützen, sich dauernd mit Informationen zur Pandemie zu beschäftigen.
  • Genügend Bewegung und ausgewogene Ernährung stärken das Wohlbefinden.
  • Die Pandemie isoliert. Viele erleben Gefühle der Einsamkeit. Das betrifft auch Kinder und Jugendliche. Welche Kontakte erlauben die geltenden Massnahmen bereits? Welche Pläne kann Ihr Kind schmieden für die Zeit «danach»?
  • Sie dürfen auch ehrlich sein, was Ihre eigenen Sorgen und Ängste angeht. Ihr Kind spürt es, wenn es ihnen nicht gut geht. Viele Eltern erleben aktuell selbst grosse Einschnitte in ihrem Leben und haben Sorgen um ihre Zukunft. Erklären Sie Ihrem Kind, was in Ihnen vorgeht. Beruhigen Sie Ihr Kind. Sagen sie ihm, dass die Situation bewältigbar ist: Ihre eigenen Ressourcen und Unterstützung von aussen werden helfen, dass es wieder bessergeht.

Zögern Sie nicht, sich an Fachstellen zu wenden, die helfen können, dass es Ihnen und Ihrem Kind wieder bessergeht (vgl. Links unten).

Das Ende der Pandemie in Sicht? Und dann?

Auch bei Jugendlichen, denen es gut geht, gibt es Dinge, die Eltern begleiten sollten. Mit den Lockerungsmassnahmen könnten auch Situationen entstehen, in denen über die Stränge geschlagen wird. Der Wunsch, nachzuholen, was verpasst wurde, ist verständlich. Er birgt aber auch Risiken. Eltern können ihr Kind auf die wiederkehrenden Freiheiten vorbereiten.

Mit der Lockerung der Pandemiemassnahmen sollte auch der Medienkonsum wieder sinken. Es kann sein, dass sich ein Kind «automatisch» wieder anderen Tätigkeiten zuwendet. Es kann sein, dass dieser Übergang schwierig wird. Je nachdem gilt es, mit Ihrem Kind neue Regeln auszuhandeln und es beim Ausstieg zu begleiten (vgl. Leitfaden «Digitale Medien» für Eltern).


Wir wünschen Ihnen Geduld, Energie und einen schönen Frühling!

Ihr Präventionsteam von Sucht Schweiz


Informationen und Rat für Eltern

Informationen und Rat für Jugendliche 

Die erwähnten Studien

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